french corner

Der umfangreiche französische Jazz verteilt sich hier über alle Seiten. Chanson und seine Nachfolger haben ihre Ecke unter diesem Punkt gefunden.


Es gibt zwei Monumente des französischen Chansons. Eines davon ist Jacques Brel (1929–1978):

Brel hat, als ihm der Starrummel zuviel wurde, Europa verlasssen und sich auf den Marquesas-Inseln im Pazifischen Ozean niedergelassen. Dort hat er sich ein Flugzeug zugelegt mit dem er zwischen den Inseln den Postboten gespielt hat und einen Hangar in dem er die einheimische Bevölkerung mit französischen Filmklassikern unterhielt.

Schwer erkrankt hat er von dort aus in Paris 1977 noch ein letztes kolossales Album mit dem Titel „Les Marquises“ aufgenommen. Karg instumentiert, eindrückliche, leicht brüchige Stimme und Texte von unglaublicher melancholischer Kraft. Und ein Höhepunkt des französischen Chansons: „Orly“. Die dramatische Verabschiedung eines Paares am Flughafen das sich nicht mehr sehen wird, erzählt aus der Perspektive eines Beobachters.


Das zweite Monument ist Georges Brassens (1921–1981):
Dass seine Alben schlicht und einfach durchnummeriert sind ist bezeichnend, denn jeder einzelne Chanson ist ein wichtiges Steinchen im großen Ganzen. Meist mit nur mit der Gitarre begleitet erzählt der literarisch Vielbelesene kleine Geschichten, die von großem Humanismus und scharfer Beobachtungsgabe geprägt sind – und hin und wieder auch von freundlichem Spott.


und sonst:

Léo Ferre
Barbara
Boris Vian
Claude Nougaro

  • Charles Trenet

    (1913-2001)

    Neben großen klassischen Chansons, die bis heute zum französischen Allgemeingut gehören, zeichnet sich das Werk des Sängers, Komponisten und Dichters durch zahlreiche Lieder aus, die kleine skurrile Geschichten erzählen: Vom König, dem die Tanzpartnerin zwischen den Händen schmilzt (La Polka du Roi), dem Briefträger, der davonfliegt weil er zu leicht ist (Quand le Facteur s’envole), der Geschichte vom domestizierten Bären (La Chanson de l’Ours). Ein großes Vergnügen sind auch seine Freude an Wortspielen, Alliterationen und Reimen. Le Fou chantant (Der singende Verrückte) wurde er genannt, aber wahrscheinlich besaß er einfach eine unerschöpfliche Quelle an Fröhlichkeit und verrückter (Text)Ideen.

  • Colette Magny

    (1926–1997)

    Colette Magny die Grande Dame des französischen Jazz- und Bluesgesangs. Mit äußerst kraftvoller Stimme interpretierte sie sowohl eigene Vertonungungen großer Dichter wie Hugo, Rilke oder Rimbaud (Les Tuileries, 1964), selbst geschriebene Texte und auch amerikanische Standards (Blues, 1990). Sie kooperierte mit der französischen Free Jazz-Szene und begann mit ihrer Stimme zu experimentieren (Kevork, 1989). Wagemutig und freiheitsliebend stellte sie ihr leidenschaftliches politisches Engagement immer über das Bedürfnis nach medialer Präsenz. Daher ist sie leider bis heute auch in Ihrem Heimatland eher unbekannt. Auch beeindruckend: die Aufnahme ihrer Rezitationen von Texten Antonin Artauds (Thanakan, 1981)

  • Serge Gainsbourg

    (1928–1991)

    Sensibler Musiker mit Hang zur Provokation. Jede Phase seines Schaffens ist interessant: zu Beginn vom Jazz beeinflusster Chanson, dann Pop, Konzeptalben experimenteller Natur („Melodie Nelson“, „L’Homme à Tete de Choux), Rock und zuletzt Reggae.

  • Brigitte Fontaine

    Der bunteste Vogel des französischen Chansons. Sie macht vor keinem Genre halt. Legendär das Album „Comme à la Radio“ (1971) mit dem Art Ensemble of Chicago oder „Kekeland“ (2001) mit Gästen wie Sonic Youth, Noir Desir und Archie Shepp. Inzwischen 81-jährig performt und produziert sich einfach weiter. Und immer an Ihrer Seite Ihr Partner, der ebenso vielseitige Musiker Areski.

  • Jacques Dutronc

    … möglicherweise einer der ersten Punkmusiker … oder der letzte Dadaist …

  • Allain Leprest

    (1954–2011)

    „Es ist ganz einfach, ich halte Allain Leprest für einen der erstaunlichsten Songwriter am französischen Chansonhimmel, die ich je gehört habe.“
    Claude Nougaro

    Dem schließe ich mich an …

Loïc Lantoine
Thomas Fersen
Phillippe Léotard
Les Têtes Raides
Les Ogres de Barbak
André Minvielle
Arlt
Clara Ysé
Mathieu Boogaerts

  • Dominique A.

    Dominique A. macht französischen Pop, der ist nett bis sehr gut. Allerdings beinhaltet sein Werk auch einen regelrechten Geniestreich: Sein erstes Album „La Fosette“ (1992), das er 23-jährig alleine mit einem 4-Spur-Kassettenrekorder und reduzierter Instrumentierung (Rhythmusmaschine, E-Gitarre) aufgenommen hat.

  • Jarvis Cocker

    Oh – ein Engländer in der „French Corner“. Ja – jemand der mit derartig unverschämter Chuzpe und äußerst windigem Akzent (gibt er selbst zu) eine Reihe französischer „Hits“ von Gainsbourg, Dutronc und Konsorten so flott und gekonnt aufnimmt bekommt ausnahmsweise einen Platz in dieser Liste.
    Jarvis Cocker, einer der letzten wahren Dandys des 21. Jahrhunderts, stellte passend zu Wes Andersons Film „The French Dispatch“ das Album „CHANSONS d’ENNUI“ (2021, Universal) zusammen und vermittelt dabei aufs Schönste den Charme von französischem Pop und Chanson.