mingus

Der Elefant im Jazzladen

Imposante Erscheinung, großes Instrument, ein Charakter, der so einiges an „Porzellan“ zerschlug – und vor allem ein enormes, vielseitiges Werk, mit vielen ganz gewaltigen Kompositionen. Charles Mingus (1922–1970) ist ein Künstler mit denn man sich immer wieder beschäftigen kann (und sollte). 

Als Ausgangspunkt schlage ich hier fünf Alben vor:

― Pithecantrophus Erectus (1956, Atlantic) dessen Titelstück vom Aufstieg und Fall der ersten Menschen erzählt und die Ursuppe aus Fauna und Flora in der dies stattfindet musikalisch sehr plastisch beschreibt – eines der gewaltigsten Stücke des Jazz.

― Presents Charles Mingus (1961, Candid) mit der ursprünglichen Version der „Fables of Faubus“, einem wütenden Statement gegen Rassendiskriminierung und „What Love“, einem sehr „gesprächigen“ Dialog zwischen Mingus‘ Bass und Eric Dolphys Saxophon. 

― Money Jungle (1962, United Artists) – das Kräftemessen dreier Musikerlegenden und zweier Generationen: Charles Mingus (*1922) am Bass, Max Roach (*1924) am Schlagzeug und Duke Ellington (*1899) am Klavier – der hier für die Kompositionen verantwortlich ist – bei dem auf jeden Fall der Zuhörer als Sieger hervorgeht.

― Oh Yeah (1962, Atlantic): Ein sehr bluesiges Album, das in seinem Witz und seinem Variationsreichtum etwa einer Frank Zappa-Platte gleicht, obwohl der Einfluss natürlich umgekehrt war. Auf dieser Aufnahme spielt Mingus Klavier, das er normalerweise zum komponieren benutzte und obwohl er dieses Instrument bei weitem nicht so virtuos beherrschte wie den Kontrabass, gehört folgende Aufnahme zu einer der anrührendsten seines Werks:

5 ― Mingus plays Piano (1964, Impulse), eine Solo-Platte auf der er spielend und improvisierend seinen Gedanken freien Lauf lässt und den „Elefanten“ in sehr sensiblen Dimensionen zeigt. 

P.S.:
Entgegen meiner Philosophie ein Album immer als Ganzes zu sehen, ist es bei Charles Mingus durchaus so, dass ich vor allem auch einzelne Stücke ganz besonders mag, wie zum Beispiel „Freedom“ (Mingus 5x, 1963), den „Haitian Fight Song“ (The Clown, 1957) oder „Half Mast Inhibition“ (Pre-Bird, 1960).