14. Januar 2025
VIER! – Gedanken von der einsamen Insel
Vier Jahre – so lange schreibe ich hier nun schon, überwiegend über Jazz. Eine Reise voller intensiver Recherchen, das Anhören zahlloser Alben, die Freude über meisterhafte Soli und überraschende Instrumentenkombinationen. Ein Versuch, magische Momente in knappe Worte zu fassen und spannende Zusammenhänge aufzudecken. Danach gestalte ich alles und füge Illustrationen hinzu – schließlich ist das mein eigentlicher Beruf.
Manchmal gibt es etwas Resonanz, doch meist fühlt es sich an, als schreibe ich auf einer einsamen Insel. Das kann frustrierend sein. Vielleicht, weil Jazz in meiner Generation (X) nur eine Randerscheinung ist. Auch sonst beschäftigen sich nur wenige intensiver mit dieser Musik – meist Männer, oft älter. Besonders in Deutschland haftet ihr ein elitäres Image an, als sei sie nur für eine eingeschworene Gemeinschaft zugänglich. Dabei ist Jazz alles andere als verschlossen. Diese Musik atmet Freiheit, sie lebt von Begegnungen, vom Austausch unterschiedlichster Stimmen.
Lange war Jazz von männlicher Dominanz geprägt. Frauen wurden meist auf Rollen wie Sängerinnen oder Musen reduziert, hin und wieder als Pianistinnen wahrgenommen. Andere Instrumentalistinnen oder Komponistinnen mussten hart um Anerkennung kämpfen. Zum Glück hat sich das gewandelt. Immer mehr spannende Projekte entstehen durch Frauen, die mutig neue Akzente setzen.
Aber eine Frau, die aus purer Leidenschaft nicht nur zuhört, sondern auch über Jazz nachdenkt, analysiert und darüber schreibt? Das ist immer noch selten - und macht die Insel noch ein bisschen einsamer.
Jazz ist eine Musik, die sich ständig wandelt, mal zart und filigran, mal roh und unbändig, und die längst das Korsett des Begriffs „Jazz“ gesprengt hat. Sie wächst, verzweigt sich, nimmt Einflüsse auf und fügt ihren amerikanischen Wurzeln immer neue Blüten hinzu. Genau diese Vielschichtigkeit sichtbar zu machen, ist das Ziel von „ein Ohr draufwerfen“.
Besonders interessiert mich dabei auch die Ästhetik: die Gestaltung des Covers, die Präsentation der Künstler*innen, ihre Inspirationen. Vielleicht ist es mein Blick als Designerin, vielleicht eine weibliche Perspektive – auf jeden Fall ein Blickwinkel, der vielleicht auch neues Publikum anziehen kann.
Trotz ihrer Einsamkeit hat diese Insel auch ihre Vorteile: kein Mainstream-Getümmel, dafür Raum für Entdeckungen. Verborgene Paradiese warten darauf, entdeckt zu werden. Und wer weiß? Vielleicht erreicht mich doch einmal eine Flaschenpost – mit Geschichten über das, was hier gefunden wurde, oder mit Themenvorschlägen, die ich unbedingt aufgreifen sollte. Vielleicht gibt es auch Wege, diese Insel zu öffnen – hin zu einem Ort, an dem Perspektiven und Geschichten aufeinandertreffen?
Bis dahin werfe ich weiter meine „Flaschen-Posts“ ins Meer – in der Hoffnung, dass sie gelesen und gehört werden.