6. August 2025
Jazz Now! – München 1972
Im vorhergehenden Text habe ich erwähnt, dass Albert Mangelsdorff im Rahmen des Kulturprogramms der Olympischen Spiele 1972 (mein Geburtsjahr) in München (meine Heimatstadt) sein erstes Solokonzert spielte.
Dieses Konzert war Teil der Reihe „Jazz Now“, kuratiert von Joachim-Ernst Berendt, einer der prägenden Figuren des deutschen Jazzjournalismus. Die Reihe brachte einige der bedeutendsten Namen des modernen europäischen und amerikanischen Jazz zusammen – nicht als offizieller Teil der Olympischen Spiele, sondern im freien kulturellen Rahmen rundherum.
Über einen Freund, der Teile des gestalterischen Erbes von Otl Aicher verwaltet und vertreibt, bin ich an ein Originalplakat des Festivals gekommen. Es ist Teil des legendären visuellen Konzepts dieser Olympiade – gedruckt im Siebdruckverfahren, in den typischen Farben, die auch das übrige Erscheinungsbild der Spiele bestimmten. Als ein weiterer Freund das Line-up betrachtete, meinte er nur kanpp: „Das sind ja alles Leute, die ich heute noch höre.“ – Und tatsächlich liest sich das Programm so, dass man es gerne auch live erlebt hätte.
Einige weitere interessante Fakten zu diesem Festival:
> Chick Corea und Gary Burton spielten nach ihren individuellen Solokonzerten spontan eine gemeinsame Zugabe. Daraus entstand noch im gleichen Jahr ihr erstes Duoalbum „Crystal Silence“ bei ECM.
> Joachim-Ernst Berendt, der das Festival kuratierte, hatte sich 1971 von seiner langjährigen Leitung der Berliner Jazztage (ab 1980: Jazzfest Berlin), die er seit 1964 verantwortet hatte, zurückgezogen, um sich ganz der Organisation dieses außergewöhnlichen Kulturprogramms in München zu widmen.
> Ginger Baker der ehemalige Drummer der Rockband Cream, trat mit nigerianischen Musikern auf. Davon existiert ein Live-Album, allerdings fehlt darauf der legendäre Drumbattle mit Art Blakey, der das Konzert vor ihm anleitete, und welcher als eines der Highlights des Festivals beschrieben wurde.
Sicherlich gäbe es zu diesem Festival noch viele weitere interessante Details zu entdecken – etwa warum Keith Jarrett im Soloteil des Programmflyers auftaucht –, doch erstaunlicherweise scheint dieses Ereignis trotz seiner künstlerischen Bedeutung und der internationalen Besetzung des Line-ups insgesamt denkbar schlecht dokumentiert zu sein.