Match

Die Geigerin Fabiana Striffler bezeichnet den Cellisten Karsten Hochapfel als ihren „Zwilling vom anderen Stern“ – ein schöner Ausdruck für zwei Seelenverwandte, die seit ihrem Kennenlernen am Musikinstitut in Paris immer wieder als Duo auf der Bühne stehen. Parallel feilen beide an zahlreichen weiteren, stets spannenden Projekten: Karsten hauptsächlich in Frankreich etwa mit „Le Cri du Caire“ und Fabiana vor allem in Berlin mit zum Beispiel „Rays of Light“.

„Match“ (2026, Wopela) ist ihr zweites gemeinsames Album. Teile davon stammen aus einem Konzertmitschnitt, der im März dieses Jahres im Münchner > schwere reiter entstand. Dort saßen die beiden an Geige und Cello und breiteten wie zwei Märchenerzähler ihre kleinen Geschichten aus – musikalisch und zwischen den Stücken auch sprachlich. Im Publikum knisterte die aufmerksame Stille wie ein Kaminfeuer im Hintergrund.

In einem Interview bezeichnen sie ihre Kompositionen als Rohdiamanten, die sie zu lebendigen Bildern erwecken – oder besser: erstreichen. Dabei treffen zwei ganz eigene musikalische Temperamente aufeinander: Fabianas fröhlich-quirlige Lebendigkeit an der Geige, bei der einem schnell auch der Begriff Fiddle in den Sinn kommt, und Karstens erdende Lässigkeit am Cello. Renaissance, Irland, alte Tänze – Assoziationen, die kommen und gehen. Aber gute Musik braucht eigentlich kein Label.

In Stücken wie „Kernfusion“ oder „Unless“ kommt es zu so verblüffenden Wechseln, dass man die Instrumente kaum mehr voneinander unterscheiden kann. Bei „Custom & Vinaigre“ spielen sie sich groovig die Bälle zu, während bei „Gespräch mit meinem Vater“ leichte Dissonanzen dem Stück eine berührende Tiefe verleihen. „Ein neues Paar Schuhe“ spürt vielleicht das anfängliche Zögern und Herantasten an die neue Fußbekleidung bis hin zum lockeren Wohlfühlstadium nach. Dennoch bleibt genug Raum für eigene Interpretationen. Neben diesen sehr persönlichen Kompositionen findet sich übrigens auch ein Stück des famosen Tin Hat Trios, das sich wunderbar in dieses musikalische Universum einfügt.

All das zieht einen beim Hören des Albums in seinen Bann – live entfaltet das Duo allerdings noch einmal einen ganz besonderen Zauber.

Umso schöner, dass die beiden am 10. Dezember bei den > Westend Vibes in München zu erleben sind – einer Konzertreihe, die ich seit ihren Anfängen grafisch und organisatorisch mitbetreue.

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