2. März 2026

Michel Portal II

Vor zwei Wochen ist Michel Portal im Alter von 90 Jahren in Paris gestorben. Seitdem überschlagen sich vor allem in Frankreich die Würdigungen eines großen Musikers – einer der schillerndsten Figuren der europäischen Musikszene. Einer, der früh mit Free Jazz experimentierte, französische Chansonstars begleitete, Neue Musik interpretierte, Filmmusik schrieb und das Bandoneon seiner Jugend nie aus der Hand legte. Sogar ein Album mit Musikern aus dem Umfeld von Prince gehörte zu seinem Werk. Radio France hat > hier viele Facetten seiner außergewöhnlichen Karriere zusammengestellt.

Michel Portal wurde 1935 im baskischen Bayonne geboren. Mit sechs Jahren begann er Klarinette zu lernen, um in der Blaskapelle seines Großvaters mitzuspielen und verinnerlichte dabei die Folklore seiner Heimat. Über das Radio entdeckte er bald eine Welt jenseits der Volksmusik mit europäischer Klassik und amerikanischen Jazz.

Am Pariser Konservatorium schloss er sein Studium 1958 mit dem ersten Preis ab. Eine glänzende Laufbahn als klassischer Musiker hätte ihm offengestanden, doch sein Weg führte in viele andere Richtungen. Trotzdem blieb die klassische Musik immer ein wichtiger Teil seines Schaffens.

Zwei Alben mit solchem Repertoire höre ich immer wieder gerne. Sie sind das Ergebnis einer langen musikalischen Partnerschaft mit dem Klarinettisten Paul Meyer (*1965) und zeigen, wie er hier ganz bei sich war:

1 – Rencontre (1998, EMI) ist das intimere der beiden. Zwei Klarinetten, kein Orchester. Das Programm besteht aus u.a. aus Duos von Haydn, Mozart und C.P.E. Bach. Portal und Meyer spielen diese Musik mit gegenseitiger Aufmerksamkeit und einer swingenden Leichtigkeit, die man sonst eher im Jazz erlebt.

2 – Double (2020, Alpha Classics), 22 Jahre später aufgenommen, entstand mit dem Orchestre Royal de Chambre de Wallonie. Das Repertoire reicht von Telemanns Konzert für zwei Chalumeaux, dessen Ton die beiden wunderbar nachahmen, über ein Werk von Carl Stamitz bis hin zu Mendelssohn-Bartholdy. Portal war damals 84 Jahre alt und man hört ihm an, dass ihn das nicht im Geringsten interessierte.

Übrigens: Wenn man auf dieser Seite über „index“ nach Michel Portal sucht, finden sich weitere Beiträge zu ihm. Er gehört seit vielen Jahren zu den Musikern, deren Werk ich besonders aufmerksam verfolge.