6. April 2026
Randy Weston – 100
Am 6. April 1926 wurde der Pianist und Komponist Randy Weston in Brooklyn geboren. Er wäre heute hundert geworden.
Sein Vater lehrte ihn früh, stolz auf seine afrikanische Herkunft zu sein. Weston nahm das ernst. Seine musikalischen Wurzeln liegen bei Thelonious Monk, Duke Ellington und Count Basie, doch schon bald war zu hören, dass Weston weiter wollte.
1967 reiste er nach Afrika und blieb fünf Jahre in Marokko. Dort begegnete er den Gnawa, einer spirituellen Bruderschaft mit Wurzeln in der Geschichte versklavter Westafrikaner. Ihre Musik – getragen vom tief surrenden Gembri (ein dreisaitiges Zupfinstrument) und den metallisch klackernden Karkaba (Handkastagnetten) – dient rituellen Heilungszeremonien. Für Weston war das kein Exotismus, sondern Heimkehr. Er sah darin den Beweis, dass Jazz und Blues afrikanische Musik sind – unterschiedliche Ausprägungen einer gemeinsamen Quelle.
1992 versuchte er, das auf “The Spirits of Our Ancestors“ (Decca) festzuhalten. Ursprünglich sollte das Album in Marokko mit einem Gnawa-Ensemble entstehen. Doch dann kam der Golfkrieg dazwischen und letztendlich wurde das Album in New York aufgenommen mit u.a. Pharoah Sanders, Dewey Redman, Dizzy Gillespie und Yassir Chadly, einem in den USA lebenden Gnawa-Musiker.
Es ist ein Doppelalbum von überraschender Wucht: vielschichtige Rhythmen, in denen afroamerikanischer Jazz und nordafrikanische Trance aufeinandertreffen. Stücke von bis zu zwanzig Minuten Dauer wirken weniger wie Songs als wie Zeremonien. Darunter „African Cookbook“, „Blue Moses“ und das traditionelle marokkanische „La Elaha-Ella Allah“, bei dem Weston auf das Klavier verzichtet.
Die Arrangements stammen von Melba Liston, seiner langjährigen Weggefährtin, die sie nach einem Schlaganfall einhändig am Computer ausarbeitete und sind das Ergebnis einer über Jahrzehnte entwickelten gemeinsamen Sprache.
Das erklärte Ziel des Albums ist es, den musikalischen Vorfahren zu huldigen und die universelle Sprache der Musik zu feiern, die Hautfarbe und Nationalität überschreitet.
Bis zu seinem Tod 2018 blieb Weston aktiv. Er hat ein Werk hinterlassen, das wegweisend war für die Verbindung von Jazz mit traditioneller afrikanischer Musik.