26. Oktober 2025
Den (Herbst-)Blues vertreiben …
In der japanischen Kultur spielt das Bewusstsein für die Jahreszeiten, kisetsukan (季節感), eine besonders wichtige Rolle im Alltag. Dies zeigt sich in vielen Lebensbereichen – von der Küche über den Garten bis zur Kleidung, in Kunst, Poesie oder auch im Geschirr – und prägt so die Gestaltung und Ästhetik des Alltags. Das ist eine schöne Art, verschiedene Traditionen lebendig zu halten und immer wieder neue Farben und Abwechslung zu schenken. Und ich finde, dass sich da auch die Musik dem Wechsel der Jahreszeiten anpassen darf.
Um den Herbstblues zu vertreiben, den die dunkler werdenden Tage oft verursachen, könnte man natürlich zu den Beach Boys greifen oder Ska-Platten auflegen. Oder man zieht zwei Alben aus dem Archiv, die Herbstimpressionen in aufregende Klangbilder verwandeln – und so ganz nebenbei die Stimmung heben, einfach weil sie so schön sind.
Das eine ist „Novembre“ (1991, Owl) des französischen Pianisten Stéphan Oliva im Trio mit Claude Tchamitchian am Kontrabass und Jean-Pierre Jullian am Schlagzeug. Ein konzentriertes Jazzalbum, mit viel Raum in dem jeder Ton Zeit hat, sich zu entfalten.
Das zweite ist „Autumn Wind“ (2017, ACT) von Scott DuBois. Der amerikanische Gitarrist erweitert hier sein Jazzquartett – mit Gebhard Ullmann (Saxophon, Klarinette), Kresten Osgood (Schlagzeug) und Thomas Morgan (Kontrabass) – um ein Streich- und Holzbläserquartett. Es entsteht eine weite Klanglandschaft, in der Jazz, klassische Elemente und Naturbeobachtung ineinanderfließen.
Was ich an beiden Alben besonders schön finde, sind die herausragenden Kontrabassisten.
Natürlich kann man seinem Herbstblues aber auch frönen, dafür ginge es dann wiederum hier lang ».
Lesetipp:
„Herbst“ von Karl Ove Knausgård (2017, Luchterhand)
Sechzig Miniaturen, in denen Knausgård einzelne Gegenstände hervorzieht und mit fast kindlicher Verwunderung betrachtet – eine sehr interessante literarische Herbstwahrnehmung.