3. Oktober 2026
Maze
Sich nach einer Komposition von Wayne Shorter für das Miles Davis Quintet zu benennen, legt die Latte ziemlich hoch – aber das > Nefertiti Quartet überspringt diese mühelos. Die Pianistin Delphine Deau hat es 2013 mit Mitstudenten am Pariser Konservatorium gegründet, und nachdem sie bei den ersten Alben federführend komponiert hat, ist das soeben erschienene Werk eine organische Zusammenarbeit aller Bandmitglieder: der Saxophonistin Camille Maussion, Pedro Ivo Ferreira am Bass und am Schlagzeug Pierre Demange.
„Maze in Köln“ heißt es und wurde an zwei Tagen im Kölner Loft aufgenommen, einem guten Ort für fortschrittliche Musik. Maze bedeutet Labyrinth oder Irrgarten, ein Begriff, der oft genutzt wird, um eine unübersichtliche Situation zu beschreiben. Gestützt auf grafische Partituren, erschafft das Quartett musikalische Labyrinthe voller Verzweigungen. Darin liegt die eigentliche Kunst – komplexe, scheinbar unübersichtliche Linien so zu ordnen, dass sie den Hörer aufs Neue in Staunen versetzen: amazed zu sein, dessen englischer Wortstamm schließlich auch in maze wurzelt.
Nach einem fröhlich umhermäandernden ersten Titelstück („Maze I“) schrauben sich in „Obsession“ langsam entwickelnde Saxophonfontänen in immer weitere Höhen. Bei der nachfolgenden Komposition braucht man sich nicht wundern, dass sie „Kangooroo“ heißt, und in „My Owl“ hat der Kontrabass einen ganz besonders schönen Auftritt.
Dies sind nur paar Spots auf ein Album, bei dem die Gehirnsynapsen bestens unterhalten werden und auch das Emotionale nicht zu kurz kommt. Wer sie noch nicht kennt, möge bitte auch die anderen Alben („Morse Code“, 2018; „Frameless“, 2022; „Live in Paris“, 2023) des Quartetts unbedingt erforschen!c
Nefertiti 4tet
Maze in Köln
2026, Berthold
> bandcamp