27. März 2026
Summertime, please.
Es ist Ende März, es ist kalt und beginnt wieder zu schneien. Die Sehnsucht nach Wärme und Sonne wird langsam dringlich. Zeit, die wärmere Jahreszeit mit ein paar Einspielungen von George Gershwins „Summertime“ heraufzubeschwören. Der bekannteste Song aus seiner Oper „Porgy and Bess“ ist als Schlaflied komponiert und der Text von DuBose Heyward besingt die Leichtigkeit des Sommers und gibt einem verlassenen Kind die Hoffnung, eines Tages diese Leichtigkeit zu finden. Die unzähligen Aufnahmen sind kaum überschaubar, dennoch stelle ich hier nun ein paar höchst unterschiedliche zusammen, die ganz verschiedene Aspekte dieses Songs beleuchten und mir besonders gefallen.
1 ― Joe Pass an der Gitarre und Oscar Peterson exklusiv am Clavichord zeigen die hoffnungsvolle Melancholie und tasten sich behutsam an der Melodie entlang, die gar nicht so eingängig ist wie man es bei einem solchen Evergreen vermutet.
2 ― Roland Kirk verstärkt den spieluhrartigen Aspekt der vorhergehenden Version noch mehr und erzeugt ein kleines Sommer-Wunderland, das von wohligem Glucksen begleitet wird und dessen Zauber leider bereits nach 1:41 Minuten wieder vorbei ist (auf „Boogie-Woogie String Along For Real“, 1978).
3 ― Eine ergreifende Lesart hat Nina Simone im Rahmen ihres genialen Town Hall-Konzerts am 12. September 1959 geliefert, bei der sie den Song nicht nur singt, sondern auch lebt.
4 ― Eine andere Intensität liefert Janis Joplin mit ihrer Band Big Brother & The Holding Company. Markerschütternd und mit bemerkenswerter Instrumentalbegleitung –unvergesslich für jeden, der diese Interpretation einmal gehört hat.
5 ― Ähnlich intensiv, aber die menschliche Stimme durch Saxofon ersetzt, windet sich Albert Ayler klagend, winselnd und jaulend sehr beeindruckend durch den Song („My Name Is Albert Ayler“, 1963). Eine meine liebsten Einspielungen …
Doch nun noch ein paar längere Aufnahmen, für die es sich immer wieder lohnt, Geduld mitzubringen:
6 ― Möglicherweise die berühmteste ist die von John Coltrane (auf „My Favorite Things“, 1960), der das Stück in zeitlose Jazzgeschichte verwandelt, die man immer wieder genussvoll verfolgen kann.
7 ― Eine eher unbekannte Interpretation des glorreichen Triumvirats des europäischen Jazz: Kühn / Jenny-Clark / Humair schmücken in äußerst flotter und komplexer Weise die Gershwin-Komposition ausführlich und kurzweilig aus.
8 ― Den glänzenden Abschluss dieser Zusammenstellung bildet die Zeitlupenversion von Masabumi Kikuchi, dem Maister der Langsamkeit am Jazzpiano, die einen nochmals gute 11 Minuten in Atem hält (auf „Hanamichi“, 2021).
Ob das nun den Sommer heraufbeschwört, weiß ich nicht – aber musikalische Glücksgefühle haben oft auch einen sehr wärmenden Effekt …
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