18. April 2021
Valentin & Théo Ceccaldi – Constantine
2020, Full Rhizome
Constantine ist eine Stadt im Norden von Algerien. Dort wurde 1960 Serge Ceccaldi geboren, der Vater der beiden französischen Jazzmusiker Théo (Violine) und Valentin (Cello) Ceccaldi. Als Zweijähriger musste er 1962 mit seiner Familie nach Frankreich auswandern. Dieses Album ist eine musikalische Zeitreise zu den Wurzeln der Familie – aufgebaut größtenteils auf Kompositionen des Vaters, der als Theatermusiker arbeitet und nebenbei eine assoziative Musikschule gründete und leitete.
Für diese bunte, musikalische Revue haben die Brüder zahlreiche Weggefährten eingeladen, die das Werk in schillernde Klangfarben tauchen: das Grand Orchestre du Tricot (entstanden auf Initiative der Gebrüder Ceccaldi und weiteren ehemaligen Schülern der Musikschule des Vaters), die wunderbare Sängerin Leila Martial, Emile Parisien mit einem flotten Ritt auf dem Sopransaxophon, Michel Portal am Bandoneon und einige mehr. Beim Hören spürt man förmlich die vibrierende Hitze der algerischen Sonne und das laute Gewusel nordafrikanischer Metropolen. Eine wagemutige, zutiefst engagierte Platte, die im letzten Jahr erschienen ist.
P.S.: Wer sich für die historischen Umstände interessiert, warum Anfang der 1960er-Jahre so viele Menschen aus Algerien nach Frankreich auswanderten (und auswandern mussten), dem empfehle ich den hervorragenden und aufschlussreichen Roman „Die Kunst zu verlieren“ von Alice Zeniter (2019, Berlin Verlag).