9. Februar 2024

Seven Shades of "Afro Blue"

1
Die Komposition des kubanischen Perkussionisten Ramon „Mongo“ Santamaria lässt afrikanische und kubanische Rhythmen in einem 3:2 Kreuzrhythmus verschmelzen. Diese Ur-Version ist beschwörend perkussiv und wird von zauberhaften Flötenklängen übermalt.
» Mongo Santamaria, Afro Roots, Prestige 1972/Reedition

2
Der Dichter, Sänger und Aktivist James Brown jr. schreibt 1959 zur Melodie einen Text und Abbey Lincoln beginnt ihr Album „Abbey is Blue“ mit diesem Song. Es ist die erste gesungene Version des Stücks in der Lincolns eindringlicher Gesang mit markanten Bläsersätzen abwechselt. Der Text handelt von der Sehnsucht nach einer fernen Heimat und feiert die Schönheit des afrikanischen Erbes.
» Abbey Lincoln, Abbey is Blue, Riverside 1959

3
James Brown jr.
sang den Song mit seinem Text ein Jahr später auf seinem Album „Sin & Soul“ auch selbst. Dabei wird seine warme Soulstimme nur von einer Conga-Trommel begleitet. Eine schlichte, aber umso ergreifendere Version.
» Oscar Brown jr., Sin & Soul, Columbia 1960

4
Überbordende Energien setzt das John Coltrane Quartet mit ebendieser Komposition frei, hier jedoch in einem Walzerrhythmus. Elvin Jones trommelt sich die Seele aus dem Leib, McCoy Tyner wirkt, als würde er mit mehr als zwei Händen Klavier spielen, Jimmy Garrison heizt mit seinem Bass aus der Tiefe ein, und über all das legt John Coltrane elegant und raffiniert die Töne seines Saxophons.
» John Coltrane, Live At Birdland, Impulse 1964

5
In einer Live-Aufnahme aus dem Jahr 1998 (die gerade erst erschienen ist) erhebt sich eine Instrumentalversion von „Afro Blue“ zu einem opulenten Klanggewitter. Der Schlagzeuger Raymond Strid, der Pianist Sten Sandell und Mats Gustafsson am Saxophon laufen zu Höchstform auf, deutlich von der Coltrane-Version inspiriert, aber doch ganz anders und mit knapp 20 Minuten wesentlich ausschweifender und freier.
» Gush, Afro Blue, Trost 2024

6
Eine weitere bemerkenswerte moderne Gesangsversion kommt von der Schweizer Sängerin Lisette Spinnler, die dem Song weite Räume eröffnet und mit lautmalerischen Passagen ergänzt.
» Lisette Spinnler, Sounds Between Falling Leaves, SFR 2 Kultur 2017

7
„Universal Mind“ ist ein Song von Jim Morrison der von seiner Sehnsucht nach Freiheit spricht, eine Botschaft, die sicherlich der von „Afro Blue“ entspricht und in dessen Melodie die Band in der Mitte des Stücks eine Weile hinübergleitet und man den Eindruck hat, dass sie hier ganz selbstverständlich hineinpasst. Von diesem Song existieren übrigens lediglich Live-Versionen.
» The Doors, Abolutely Live, Elektra 1970